SBMA Spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy

BSMA Bulbospinale Muskelatrophie Typ Kennedy

Bei der spinobulbären oder auch bulbospinalen Muskelatrophie (SBMA Typ Kennedy) handelt es sich um eine von den Nervenzellen ausgehende Muskelerkrankung. Sie ist unter verschiedenen Namen bekannt. Die geläufigsten Namen sind:

  • SBMA Spinobulbäre Muskelatrophie (Typ Kennedy)
  • BSMA Bulbospinale Muskelatrophie (Typ Kennedy)
  • X-chromosomale BSMA
  • X-chromosomale spinale und bulbäre Muskelatrophie
  • X-chromosomale BSMA
  • Muskelatrophie, spinobulbäre, X-chromosomale
  • Kennedy – Krankheit

International ist die Krankheit als „Kennedy’s Disease“ bekannt.

Die Symptome der SBMA ähneln stark den Symptomen einer ALS (Amyotropher Lateralsklerose). Aus diesem Grund kommt es leider oft zu Fehldiagnosen.

Ich habe versucht, meine Erfahrungen mit der Krankheit zusammenzutragen und diese auf meiner persönlichen Website zu veröffentlichen.

Im Netz findet man zunehmend mehr Seiten mit Informationen zu diesem Thema. Unten finden Sie einige aus meiner Sicht erwähnenswerte Weblinks mit mehr Details zu dieser Krankheit. Primär möchte ich hier die Webseite der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. nennen.

Für sehr informativ und erwähnenswert halte ich auch die folgenden Webseiten:

Die persönliche Webseite von Wolfgang Herzinger der auch selbst betroffen ist.

Die Webseite von Claus-Peter Czaya, der ebenfalls persönlich betroffen ist.

Andere Länder sind uns in der Forschung voraus und stellen gute Informationen im Web zur Verfügung.

Führend möchte ich hier die Webseite der Kennedy’s Disease Association nennen.

Sinnvoll ist es auf jeden Fall, keine Selbstdiagnosen zu stellen. Es gibt so viele verschiedene Erkrankungen die teilweise auch gut therapierbar sind. Es muss also nicht immer gleich SBMA oder ALS sein. Als Betroffener kann ich aus eigener Erfahrung nur den Rat geben, sich in die Hände eines guten Neurologen zu begeben und dort dann erst einmal die normale Differenzialdiagnostik zu durchlaufen. Man wird dann relativ schnell feststellen, worauf die Ärzte besonders schauen und kann dann natürlich auch an sich selbst rekapitulieren ob und wie lange man vielleicht schon gewisse Symptome aufweist. Man sollte jedoch nie vergessen: Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist hier außerordentlich wichtig um das Krankheitsbild richtig zu erfassen. Wenn Sie Glück haben, finden Sie eine Klinik mit Ärzten, die auch persönlich auf Sie eingehen.

Laryngospasmen

Eine der wohl schlimmsten Erfahrungen, die ich im Zusammenhang mit der Krankheit SBMA machen mußte, sind die Stimmritzenkrämpfe, sogenannte Laryngospasmen, die umgangssprachlich  auch  als „dry drowning“ (übersetzt „trockenes Ertrinken“) bezeichnet werden.

Hierbei kommt es zu einem Verschluss der Atemwege. Eigentlich als Schutzfunktion gedacht, verschließen sich die Atemwege um ein Eindringen von jeglichen Fremdkörpern in die Luftröhre zu verhindern. Bei der SBMA scheint diese Funktion verändert, sodaß die Auslösung des Krampfes, die Dauer und Intensität, von anderen Faktoren abzuhängen scheint.

Jeder kennt bestimmt diese Art Albträume, wo man plötzlich nicht mehr atmen kann, dann aufwacht und sich freut, dass alles nur ein Traum war.

Aber was ist, wenn man aufwacht und trotzdem nicht atmen kann…. ?

Meinen ersten Laryngospasmus (ich nenne ihn mal zärtlich Laryngo), hatte ich Jahre vor meiner Diagnose SBMA.  Ich wachte nachts auf und konnte weder ein noch ausatmen. Ich setzte mich aufrecht auf die Bettkante und rang verzweifelt nach Luft, was aber leider nicht funktionierte sondern nur  schmatzende Geräusche in der Kehlkopfgegend verursachte. Meine Frau war mittlerweile auch wach geworden und versuchte mir verzweifelt zu helfen bzw. überhaupt festzustellen was los war. Ich wußte nicht was es war, was diesen Zustand hervorgerufen hatte und vor allem wußte ich nicht, wie lange dieser Zustand noch anhalten würde. Ich rannte ins Badezimmer und hielt meinen Kopf über das Waschbecken in der Hoffnung, mir würde etwas aus dem Mund laufen zusätzlich zum Speichel vielleicht Blut oder Ähnliches. Nach gefühlten Minuten gelang es mir ein wenig Luft durch die Nase einzuatmen, das Problem war nur, dass ich nichts ausatmen konnte und mein Brustkorb sich zum Platzen gespannt anfühlte. Anscheinend hatte ich mit dem letzten Atemzug vor dem Krampf noch einmal fast voll eingeatmet. Somit hatte ich das Gefühl, das nichts mehr reinging an Luft. Ich versuchte Luft durch den Mund auszuatmen. Das funktionierte jedoch auch nicht. Nach weiteren gefühlten unendlichen Sekunden gelang es mir etwas Luft durch die Nase loszuwerden. Sofort versuchte ich natürlich wieder frische Luft durch die Nase einzuatmen. Ich spürte, das ganz langsam ein wenig Luft durch die Nase ein und ausgeatmet werden konnte. Mit jedem Versuch ein wenig mehr. Dann war es endlich vorbei. Ich konnte auch durch den Mund langsam wieder ein und ausatmen. Ich vermutete eine Art Asthmaanfall erlitten zu haben obwohl ich eigentlich nie mit einer Asthmaproblematik zu tun gehabt hatte. Der Arzt vermutete eine Art Refluxproblematik bei der Magensäure durch die Speiseröhre zurück in den Halsbereich läuft und dann als Schutzfunktion der Laryngo ausgelöst würde. So war es leider nicht und ich hatte auch kein Sodbrennen, was charakteristisch bei einem Reflux gewesen wäre.

Leider traten diese Krämpfe nun immer häufiger auf. Ich hatte Nächte wo ich bis zu 5 Mal mit dieser Art von Krämpfen aufgewacht bin und dann einfach nicht mehr einschlafen wollte, immer in der Angst vor einem erneuten Krampf. Ich habe dann teilweise im Sitzen in einem Sessel geschlafen. Die Stimmritzenkrämpfe sollten fortan nicht nur in der Nacht sondern auch während des Tages auftreten. Mal massiv, mal weniger intensiv oder auch nur einseitig. Ich habe nur wenig Einfluss darauf, kann jedoch Maßnahmen für mich ergreifen, die mir helfen, nicht in Panik zu verfallen und den Krampf so gut wie möglich zu überstehen. Hier spielen natürlich auch andere Faktoren eine Rolle. So hatte ich zum Beispiel einmal einen Krampf während einer Taxifahrt. Die größte Angst bestand eigentlich darin, daß der Taxifahrer während der Fahrt Panik bekommen würde mit dem Gedanken, ich würde in seinem Taxi ersticken. Diese Art von Erstickungsanfällen sind in der Öffentlichkeit für Außenstehende natürlich ebenfalls sehr erschreckend.

Wodurch und wann werden diese Krämpfe nun bei mir ausgelöst:

  • Bei  trockenem Hals.
  • Bei hoher nervlicher Anspannung
  • Beim Essen/Trinken  von z.B. scharfen Speisen oder Getränken.
  • Beim Essen von krümeliger Nahrung.
  • In chloriertem  Wasser beim Schwimmen.
  • Im Schlaf ohne Maskenbeatmung in ungünstigen Schlafpositionen.
  • Beim Zahnarzt wenn Flüssigkeit oder kleine Fremdkörper in den hinteren Zungenbereich gelangen.
  • Bei Überanstrengung.
  • Bei längeren unveränderten Sitzpositionen z.B. Kino.

u.s.w.

Nachdem ich schließlich wußte, worum es sich bei diesen Krämpfen handelt, konnte ich mich noch besser darauf einstellen und versuchen diesen auch bedingt vorzubeugen. Die Logopädie spielt hier als Therapieunterstützung eine wichtige Rolle. Mir wurden Übungen gezeigt, die es ermöglichen, die durch die SBMA beeinträchtige Muskulatur speziell auch die Schlundmuskulatur und Zungenmuskulatur zu trainieren und somit die Intensität der Krämpfe etwas zu verringern. Einige Übungen kann man hier nachlesen.

Zusätzliche Infos gibt es auch im Blog der KDA (Kennedy’s Disease Association) im Blog:

Living with Kennedy‘ s Disease„.

Auch auf YouTube findet man hier eine anschauliche Erklärung.

#kennedysdisease #sbma #laryngospasmus #stimmritzenkrampf

SBMA – Treffen in Münster

Am 25.05.19 fand das dritte Treffen der an
SBMA (Spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy)
Erkrankten statt. Über 70 Teilnehmer trafen sich diesmal am Universitätsklinikum Münster (UKM). Der zentral gelegene Veranstaltungsort in Deutschland ermunterte viele Betroffene, an der sehr informativen Veranstaltung teilzunehmen. Hier ein Auszug aus der Agenda:

  • Ursachen, Symptome, Diagnostik und Therapie der SBMA
  • Schlaf und Atmung bei SBMA
  • Schluck- und Sprechstörungen bei SBMA
  • Andrologische Aspekte der SBMA
  • Die SBMA aus psychologischer Sicht

Äußerst wichtig war der Erfahrungsaustausch, der natürlich auch nicht zu kurz kam.

Mittlerweile gibt es zwei eigenständige Selbsthilfegruppen:

Selbsthilfegruppe SBMA
— Gruppe Ulm —
– Horst Steck –
eMail: hrsteck@gmail.com
Tel.: +49 (0) 171 – 225 – 4146

 Selbsthilfegruppe SBMA
— Gruppe Osnabrück/Münster —
– Martin Brüggemann –
eMail: martin-brueggemann@osanet.de
Tel.: +49 (0)5975 3616

Sollten Sie selbst betroffen sein und den Kontakt zu anderen Betroffenen suchen, so wenden Sie sich bitte direkt an eine der Kontaktpersonen.

Weitere Kontaktmöglichkeiten zu Betroffenen finden Sie hier:
https://www.ostermanns.de/sbma/selbsthilfegruppe-betroffene-kennedysdisease-kontakt-facebook/

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